In Basel kocht das Restaurant du coeur nicht nur gegen Food Waste, sondern auch gegen das Gefühl, fremd zu sein. Ein Ort der Begegnung und der Würde.
Mittags, wenn die Sonne über den Dächern von Basel steht, beginnt in der Küche an der Solothurnerstrasse ein stilles Wunder. Hier duftet es nach Kreuzkümmel und frischem Brot, nach den Aromen Syriens, Eritreas und der Türkei. May Missaoui, die Gastgeberin mit der ansteckenden Herzlichkeit, huscht mittags zwischen den Tischen umher – abends nur selten, ausser bei bestellten Gesellschaften. Sie spricht Arabisch, Französisch, Deutsch – je nachdem, wer an diesem Mittag am Tisch sitzt. Und plötzlich wird klar: Hier geht es um mehr als ums Essen. Es geht um ein Zuhause. Um einen Ort, an dem Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, einen Platz finden – und ihre Würde zurückbekommen. Das Restaurant du coeur ist kein gewöhnliches Restaurant. Es ist eine kulinarische Utopie, die längst Realität geworden ist.



Das Restaurant du coeur wurde 2016 gegründet, aus einer Notwendigkeit heraus: Asylsuchende, die arbeiten wollen, es auf dem ersten Arbeitsmarkt aber nicht dürfen oder können. Also schuf man einen Raum, in dem sie nicht nur arbeiten, sondern auch ihre kulinarische Heimat zeigen konnten. Heute, im Jahr 2026, umfasst das Projekt vier Standorte – vom Stammhaus an der Solothurnerstrasse über das Bistro Francka im Franck-Areal bis hin zur FHNW. An jedem dieser Orte wird die gleiche Philosophie gelebt: Ressourcen nutzen, statt sie wegzuwerfen. Das gilt für die Lebensmittel genauso wie für die Menschen. „Wir kochen gegen das Fremd-Sein“, sagt Claudia Adrario de Roche, die Gründerin. Und das ist kein leerer Slogan. Es spricht aus jedem Teller, der hier serviert wird. Die Mitarbeiterinnen kommen aus Afghanistan, Syrien, der Ukraine, dem Iran – und sie alle tragen einen schweren Rucksack. Im Restaurant du coeur wird dieser Rucksack ein Stück leichter.
Kochen mit Haltung: Food Waste und Integration



Die Idee ist bestechend einfach: Das Restaurant du coeur rettet Lebensmittel, bevor sie im Abfall landen, und kocht daraus ein Menü, das sich sehen und schmecken lassen kann. Das Mittagessen wird ohne festen Preis angeboten – ein Kästchen aus Kairo steht auf dem Tisch, jeder Gast legt hinein, was er geben kann oder möchte. Für Caterings gilt ein ähnliches Modell: Ein Richtpreis deckt die Kosten, der Rest ist Spende. Dieses Konzept einer „Kreislaufwirtschaft“ hat längst über die Stadtgrenzen hinaus Aufmerksamkeit erregt. Die FHNW hat das Projekt in einer Bachelorarbeit untersucht und mit einer 5,5 bewertet. Keine Utopie mehr, sondern ein reales Modell mit Erfolg. Berivan Abbas aus Syrien und Lucy Munuve aus Kenia sind längst feste Stützen des Teams. Sie organisieren und managen die Catering-Vorbereitungen. Sie sind der Beweis, dass Integration nicht nur gelingt, sondern auch Freude macht.
Vier Standorte, eine Philosophie: Was auf den Tisch kommt



Das kulinarische Angebot ist so vielseitig wie die Menschen, die hier arbeiten. Im Stammhaus an der Solothurnerstrasse gibt es mediterrane Küche – mit einem Schuss Feriengefühlen, wie die Gäste sagen. Im Bistro Francka wird gefrühstückt und zu Mittag gegessen, immer frisch, immer mit dem, was der Tag bringt. Der Sternenhof am Luzernerring liefert täglich rund 35 Mahlzeiten für die Bewohner des Altersheims – zubereitet von Küchenchef Nick Robertsen. Und an der FHNW wird für Studierende und Dozierende gekocht. Jeder Standort hat seine eigene Spezialität, aber alle verbindet das gleiche Prinzip: Ehrlichkeit, Saisonalität und Respekt vor den Zutaten. Die Orientierungspreise sorgen dafür, dass niemand ausgegrenzt wird. Wer wenig hat, gibt wenig. Wer viel hat, gibt mehr. Es ist ein System, das auf Vertrauen basiert – und das funktioniert.
Ein Ausblick: Warum dieser Ort wichtig bleibt
Das Restaurant du coeur ist mehr als ein Gastroprojekt. Es ist ein Statement. In einer Zeit, in der die Mächtigen dieser Welt scheinbar vergessen haben, dass Kriege nie etwas lösen, zeigt dieses kleine Restaurant, wie es anders gehen könnte. Hier wird nicht nur gekocht, hier wird Verantwortung übernommen. Verantwortung für die Umwelt, für die Mitmenschen, für die Gesellschaft. „Mit jedem Auftrag unterstützen Sie unsere Idee“, heisst es auf der Website. Und das ist keine Bitte, sondern eine Einladung. Eine Einladung, Teil von etwas Grossem zu werden. Egal ob beim Mittagessen surprise, bei einem Catering für die nächste Feier oder einfach beim Vorbeikommen – das Restaurant du coeur freut sich auf Sie. Denn hier zählt nicht, woher Sie kommen. Sondern, dass Sie da sind.
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Wir kochen gegen das Fremd-Sein.
Solothurnerstrasse 8
Basel, Schweiz



