Die Alp-Schaukäserei Morteratsch im Engadin: Käsehandwerk am offenen Feuer, Alp-Brunch und Molkebad – ein Erlebnis für alle Sinne.
Die Morgensonne kitzelt die Gletscherzunge des Morteratsch, während über der Alp der erste Rauch aufsteigt. Drinnen in der hölzernen Hütte wärmt das Feuer einen kupfernen Kessel, in dem die Milch der Bündner Bergbauern leise vor sich hin simmert. Draussen knirscht der Schotter unter den Wanderschuhen, drinnen rührt ein ruhiger Blick den Käsebruch, als gäbe es nichts Selbstverständlicheres. Dieser Ort ist mehr als eine Käserei: eine Einladung, das Engadin mit allen Sinnen zu schmecken.


Dass in Morteratsch heute gekäst wird, ist keineswegs selbstverständlich. Die Alphütte wurde in den Jahren 1855 und 1856 erbaut und diente lange Zeit nur als Melkstand. Nachdem sie ab 1945 nicht mehr genutzt wurde, drohte sie in Vergessenheit zu geraten. Wäre da nicht ein Käsermeister mit einem unbeirrbaren Willen gewesen: Hansjürg Wüthrich, der zusammen mit seiner Frau Evelyne die Sennerei Pontresina übernommen hatte und die alte Hütte wieder mit Leben füllen wollte.
Nach viel Geduld, unzähligen Besprechungen und einem langwierigen Bewilligungsverfahren konnte im Herbst 1995 schliesslich der Umbau beginnen. Handwerker und freiwillige Helfer schufen mit viel Idealismus einen Ort, der Tradition spürbar macht: einen Hängekessi über offenem Feuer, umgeben von der grandiosen Kulisse des Oberengadins. Am 1. Juli 1996 stieg der erste Rauch aus dem Kamin – die Alp-Schaukäserei Morteratsch war geboren.
Käsekunst zum Zuschauen, Mitmachen und Geniessen



Wer heute die Schaukäserei besucht, erlebt das Käsehandwerk in seiner ursprünglichsten Form. Während der Vorführzeiten arbeitet der Alpmeister am offenen Feuer, bewegt den Bruch mit ruhiger Hand und erklärt, was die Milch auf ihrem Weg zum Käse alles durchmacht. Gletscher-Mutschli, Heutaler Käse, Molkenziger oder Schaf- und Ziegenfrischkäse – all diese Produkte entstehen direkt vor den Augen der Gäste, unterstützt von der Milch Bündner Schafe und Geissen, die auf den Alpwiesen rund um Morteratsch ihr Futter finden.
Dabei geht es nicht nur ums Zuschauen. Die Gäste dürfen mitwirken, Fragen stellen und den frischen Käse später degustieren. Im Alp-Restaurant werden Plättli liebevoll zusammengestellt und zeigen, wie vielseitig die regionale Küche ist. Und wer mag, nimmt sich im angeschlossenen Käseverkauf ein Stück Alpkäse mit nach Hause – oder gleich ein Gletscherfondue, das in der nahen Gletscherkäserei in Samedan hergestellt wird.
Schlemmen zwischen Gletscherwind und Molkebad


Der Höhepunkt für viele Gäste ist der Alp-Brunch. Von Dienstag bis Sonntag verwandelt sich die Alphütte zwischen 9.30 und 12 Uhr in ein Schlaraffenland der Extraklasse: frische Zöpfe, hausgemachtes Früchtebrot, regionale Käse- und Fleischspezialitäten, Saucen, Aufstriche und süsse Verführungen – dazu der Blick auf die eisigen Gipfel des Berninamassivs. Wer mag, verbindet den Brunch mit einem Bad im Molkebad, das nur auf Voranmeldung angeboten wird und ein wohlig warmes Erlebnis der besonderen Art ist.
Auch für den Abend hat die Alp-Schaukäserei etwas bereit: Gruppen ab zwanzig Personen können die Alphütte reservieren und einen genussvollen Abend mit Fondue oder Raclette à discrétion verbringen. Wenn draussen die Dämmerung über den Gletscher zieht und drinnen der Käse in den Caquelons brodelt, wird spürbar, was Geselligkeit im Engadin bedeutet.
Ein Familienbetrieb mit Weitblick
Die Alp-Schaukäserei Morteratsch ist heute mehr als nur eine Touristenattraktion. Sie ist das Herzstück eines Familienbetriebs, der von Hansjürg und Evelyne Wüthrich über Jahrzehnte aufgebaut wurde und nun in den Händen der nächsten Generation liegt. Sohn Christof führt das Unternehmen mit derselben Überzeugung weiter: Dass Milch ein kostbares Nahrungsmittel ist und Käse eines der anspruchsvollsten Handwerke überhaupt.
Wer einmal dabei gewesen ist, wenn der erste Rauch über dem Kupferkessel aufsteigt, der versteht, warum dieser Ort Menschen aus aller Welt anzieht. Es ist nicht nur der Geschmack, der hier entsteht. Es ist die Verbindung von Landschaft, Tradition und Leidenschaft – eine Verbindung, die man auf der Zunge spürt und lange nicht vergisst.
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Hier lebt Käse!


